Atme dreimal tief durch

„Im Moment habe ich keine Antwort/keine Lösung“ – wagen Sie das zu sagen? Können Sie das denken oder fühlen? Wie fühlt sich das an, so völlig ohne irgendeinen Drang zu sein, JETZT „sofort“ eine Antwort/eine Lösung zu haben oder aus einer Re-aktion heraus „schnell“ etwas verändern zu müssen/zu wollen?
Es alles einfach mal sein lassen, wie es jetzt gerade ist.
Der Tee ist umgekippt – springen Sie auf und holen Sie einen Wischlappen? – bringen Sie schnell alles in Sicherheit was nass werden könnte und nicht nass werden sollte? – oder lassen Sie der sich bildenden Teepfütze Raum, bewundern die schönen Muster auf dem hellen Teppich und beobachten die ganze Szene einfach nur?
Was tun Sie?
Ganz ehrlich!
Mir persönlich fällt es sehr, sehr, SEHR schwer, beobachtend neben der immer größer werdenden Teepfütze zu sitzen und staunend wertfrei zu erleben, wie sie meinen weißen Teppichboden einfärbt. Ganz ehrlich? Es ist mir unmöglich! Bevor irgendein Tropfen den Teppich erreicht hat, habe ich schon in Lichtgeschwindigkeit einen Lappen aus der Küche geholt. Und ja, das ist sicher ein „hardcore Beispiel“.

🙂

Dennoch liebe ich diese Übung sehr und mache sie in Bereichen, wo es mir leichter fällt als bei „Tee und Teppich“. Ich übe gerne – täglich -, die Situation im „Jetzt“ einfach nur mal zu beobachten. Z.B. an einer Bushaltestelle oder wenn ich einkaufen gehe oder wenn ich mit meinen Autoren über ihre neuen Buchprojekte spreche. Ich muss in solche Situationen nicht re-agieren, ich muss gerade nichts wissen, nichts denken, nichts können, keine Antwort, keine Lösung haben. Ich kann alles auf mich zukommen lassen, wie den Bus, der langsam an der Haltestelle vorfährt und während ich beobachte, wie er vorfährt, kann ich in mich reinspüren: ist das stimmig für mich, jetzt gerade einzusteigen – vielleicht fühle ich, dass ich laufen möchte? – oder den nächsten Bus nehmen möchte?

Diese Momente des Innehaltens sind so unendlich wertvoll, weil sich in mir ein Raum öffnet, der in fast allen Fällen zu ganz anderen Entscheidungen führt, als mein Kopf das schnell und gerne gehabt hätte. Es ist ein Raum, der mir in dem Moment, wo ich erlaube, dass er sich öffnet, Gelassenheit und Vertrauen schenkt. Mitunter ist es nur der kleine Raum, der innerhalb eines Atemzugs entsteht, der einen gewaltigen Unterschied macht, weil ich mir erlaubt habe:
1. Nicht zu re-agieren
2. In mich reinszuspüren
3. Und dann aus meinen inneren Wissen heraus handle
Mitunter können diese Bruchteil von Minuten über Leben und Tod entscheiden. Ja, Sie lesen richtig! Denken Sie an Manhattan. Als die Flugzeuge die beiden Hochhäuser trafen, waren 70% weniger Menschen in den Hochhäusern, als zu diesem Zeitpunkt „normalerweise“ anwesend gewesen wären! Der eine hatte den Zug verpasst, der andere hatte ein Problem mit seinem Auto gehabt. Der Dritte hatte unter Dusche getrödelt. Viele, viele Einzelschicksale, einzelne Moment, wo ein Mensch innegehalten hat – unbeabsichtigt – aus den täglichen Routinen ausgeschert war für wenige Minuten, die über sein Leben und seinen Tod entschieden haben.
Geben Sie Ihrer inneren Weisheit Raum.
Halten Sie immer mal wieder inne. Re-agieren Sie nicht immer „sofort“. Und wenn Sie mit einem anderen Menschen zu tun haben, dann sagen Sie ihm mit einem Lächeln: „Im Moment habe ich keine Antwort – habe ich keine Lösung. Ich habe dir nur zugehört.“

Mehr Übungen finden Sie in meinen Büchern:
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